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100 Jahre November-Revolution in Deutschland

Mittwoch, 26.09.2018, 19 Uhr

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortragsreihe: “Vom Scheitern unserer Hoffnungen und vom Mut eines neuen Anfangs 1918 – 1933 – 1968 – 1989 – 2018” statt.

Ein Ziel dieser Reihe ist es, solides Geschichtswissen für unser Handeln in der Gegenwart zu vermitteln. Wir greifen in zunächst sechs Veranstaltungen aktuelle Enttäuschungen und Ohnmachtsgefühle auf, die gerade in Stuttgart verbreitet sind, und stellen Fragen an die Geschichte,
ob sie uns nicht zum Weitermachen ermutigen kann. Ein Bezug zur sozialistischen Bewegung in Stuttgart wird oftmals hergestellt – denn Stuttgart bzw. Württemberg hat viel zu bieten: Clara Zetkin, Fritz Rück, Fritz Lamm, August Thalheimer, Georg Elser, Eugen Eberle, Theodor Bergmann, Willi Hoss, Peter Grohmann …

Als Referent konnte das langjährige NaturFreunde-Mitglied Axel Kuhn gewonnen werden, der über viele Jahre als Professor für neuere Geschichte an der Universität Stuttgart gelehrt hat und auch stellvertretender Vorsitzender der Christian-Wagner-Gesellschaft ist. Zu den Referentinnen zählt auch die Soziologin Dr. Annette Ohme-Reinicke – Lehrbeauftragte der Universität Stuttgart, Mitgründerin des Hannah-Arendt-Instituts für politische Gegenwartsfragen, Stuttgart (HAIS) und Vorsitzende der Anstifter.

Veranstaltungsort: SÖS Treff. für Politik und Kultur Arndtstr. 29/Ecke Vogelsangstr. in S-West

Gesamtprogramm hier klicken: Flyer_Vortragsreihe_Hoffnung


Versorgen ohne Zerstören

Warum sind unsere Gewässer so nitrathaltig, woran liegt es, das die Insekten sterben. Geht die Ernährung der Bevölkerung nur über industriell hergestellte Lebensmittel?

Nicht die kleinbäuerliche Landwirtschaft produziert unsere Lebensmittel, sondern Großkonzerne, die mit Agrarchemie die Böden überdüngen (meint: vergiften) und mit Bioziden die Bienen an den Rand des Aussterbens bringen. Um die Versorgung der Bevölkerung geht es dabei schon lange nicht mehr. In Europa werden so viel Lebensmittel weggeworfen, dass man damit die Hungernden dieser Welt zweimal satt kriegte. Mangel hier und Überfluss da sind die ständigen Begleiter der industrialisierten Landwirtschaft. Die ist geprägt vom Konkurrenzkampf internationaler Agrarkonzerne und Supermarktketten – und das nicht etwa nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt.

In einer gemeinsamen Veranstaltung am 12. Juli 2018 der Naturfreunde Stuttgart mit attac hat der Regionalgeschäftsführer des BUND die Zusammenhänge erklärt und Vertreter der solidarischen Landwirtschaft Stuttgart erläuterten, dass und wie es auch ohne gewinnorientierte Großkonzerne geht.

 


Fahrräder für Afrika!

Dein altes Fahrrad hilft, das Leben in Afrika nachhaltig zu verbessern.

Seit 2010/2011 gibt es eine Initiative Fahrräder für Afrika, die ihren Ursprung in Oschatz/Sachsen hat.

Das Ziel ist der Aufbau von Fahrradwerkstätten in Afrika und die Ausbildung von Einheimischen zu Fahrradmechanikern. Dies bildet die Grundlage zum Aufbau eines neuen Wirtschaftszweiges und die Möglichkeit einer nachhaltigen Einkommensgenerierung. Der Mangel an Mobilität des Einzelnen bremst den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufschwung in Entwicklungsländern. In Afrika gibt es kaum öffentliche Verkehrsmittel. Autos sind für viele unerschwinglich. Ein Fahrrad stellt für die breite Öffentlichkeit ein erschwingliches und robustes Fortbewegungsmittel dar. Zudem ist es auch dort die umweltfreundlichste Art, sich schnell fortzubewegen.

Wir können mit Fahrrädern helfen:

Sowohl einfache Anbieter von Waren als auch die Gesundheitsberater sind derzeit vielfach zu Fuß unterwegs um ihrer Arbeit nachzugehen. Dabei verbringen sie einen Bruchteil der eingesetzten Arbeitszeit mit der eigentlichen Tätigkeit (Verkaufen von Waren/Aufklärungsarbeit). Im ländlichen Raum ist eine fehlende Infrastruktur öffentlicher Verkehrsmittel alltäglich. Die Überbrückung der Distanzen erfolgt mangels anderer Möglichkeiten zu Fuß mit 4 – 6 km/h. Ein Fahrrad, dass im Schnitt 15 – 20 km/h fährt verkürzt diese Zeit um ein vielfaches. Im Ergebnis steht der eigentlichen
Tätigkeit mehr Zeit zur Verfügung. Diese Produktivitätsverbesserung findet Ressourcen schonend im Kleinen bei jedem Fahrradnutzer statt.
Schulen im ländlichen Raum liegen teils dutzende Kilometer vom Wohnort einer Familie entfernt. Viele Kinder sind gezwungen, zum Familieneinkommen beizutragen. Schulwegzeiten von 2 bis 3 Stunden zu Fuß sind keine Seltenheit. Dies überfordert die Kinder körperlich und mental. Viele Kinder kommen vom langen Schulweg müde in ihrer Schule an. Somit werden schulische Leistungen beeinträchtigt oder schlimmstenfalls Schulbesuche gleich ganz unterlassen. Fahrräder helfen über den oben beschriebenen Produktivitätseffekt Schulbesuche zu ermöglichen, schulische Leistungen zu verbessern und geben mehr Zeit, zu Hause zu helfen. Sie sind ein einfacher Schlüssel zu einer höheren Grundbildung der Bevölkerung, die entscheidend ist für eine langfristige Situationsverbesserung. Einfach gebrauchte nicht mehr benötigte Fahrräder
bei der Sammelstelle abgeben. Schwerpunkt der Aktivitäten ist Subsahara-Afrika, d.h. afrikanische Staaten südlich der Sahara (z.B. Ghana, Eritrea, Togo, Gambia). In Stuttgart organisiert der Verein Technik & Solidarität e.V. schwerpunktmäßig die Fahrradsammlungen und Organisation des Transports nach Afrika. Auch andere sind beim Fahrradsammeln in Stuttgart aktiv, z.B. der BUND B-W, VCD B-W und Lastenrad Stuttgart.

Kontakt: https://www.facebook.com/afrikafahrrad. Fahrradannahme des Vereins Technik und Solidarität ist zur Zeit jeden Donnerstag von 15 bis 18:30 Uhr und jeden Samstag von 11 bis 15 Uhr am Fahrradlager Containercity an den Wagenhallen Innerer Nordbahnhof in Stuttgart Nord.
■ Siegfried Merkel


Natura 2000 / Europas Naturschätze bewahren

„25 Jahre Natura 2000“ von NaturFreunde, NABU, LNV und BUND in Baden-Württemberg mit Umweltstaatssekretär Dr. Baumann und EU-Kommissionsvertreter Just

Stuttgart – Im Rahmen eines Jubiläumsabends mit Festakt im Stuttgarter Linden-Museum unter der Schirmherrschaft von Umweltminister Franz Untersteller haben die vier Naturschutzverbände NaturFreunde, NABU, LNV und BUND in Baden-Württemberg am 28. November ein besonderes Jubiläum gefeiert: 25 Jahre Natura 2000. In ihren Beiträgen würdigten die Spitzen der vier Verbände sowie Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Landesumweltministerium, und Alexander Just von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission die Gründung des europäischen Schutzgebietsnetzes am 21. Mai 1992 als Meilenstein für den Naturschutz – betonten aber auch dringenden Handlungsbedarf.

Europaweit zählen mehr als 27.000 Flächen zu dem grenzüberschreitenden Schutzgebietsnetz, dem größten weltweit. „Die Dimensionen von Natura 2000 sind gewaltig, ebenso groß müssen deshalb auch die Anstrengungen der Mitgliedsstaaten für einen guten Erhaltungszustand ihrer Gebiete sein“, sagte Alexander Just in seiner Festrede vor zahlreichen Gästen aus Politik, Verbänden und Verwaltung. „Die Richtlinien schützen etwa 1.500 Tier- und Pflanzenarten und etwa 200 seltene Lebensraumtypen innerhalb und außerhalb dieser Schutzgebiete“, führte Just aus. Mit dem Aktionsplan „Menschen, Natur und Wirtschaft“ will die EU die Umsetzung der Richtlinien erleichtern und verbessern sowie die Betroffenen stärker einbeziehen. „Wir haben schon Großes erreicht, stehen aber weiterhin vor enormen Aufgaben und viel Arbeit, um die Zukunft der artenreichen Natur- und Kulturlandschaften Europas zu sichern“, so Just.

„Baden-Württemberg ist das Land der Wacholderheiden, des Rotmilans und der blumenbunten Mähwiesen. Wir brauchen Natura 2000, um dieses einzigartige Natur- und Kulturerbe zu erhalten“, betonte Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium, in seinem Grußwort. „Die FFH-Richtlinie ist das zentrale Instrument, mit dem die Landesregierung den Erhalt der biologischen Vielfalt im Land vorantreibt. Auch das vom Kabinett letzte Woche beschlossene Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt verfolgt das Ziel, geschützte Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen, zu erhalten und, wo möglich, miteinander zu vernetzen. In den Managementplänen für die Natura 2000-Gebiete wollen wir hierzu gemeinsam mit der Landwirtschaft, den Kommunen und den Verbänden den Vertragsnaturschutz und den investiven Naturschutz weiter stärken. Damit wir erhalten können, was uns erhält.“

Neben den Wacholderheiden der Schwäbischen Alb gehören auch die badischen Rheinauenwälder und die Moore im Allgäu zum Natura 2000-Netz im Land. „In diesen artenreichen Ökosystemen leben viele hundert geschützte Tier- und Pflanzenarten. Die EU-Naturschutzrichtlinien sorgen dafür, dass diese auch kulturhistorisch und für den naturnahen Tourismus wertvollen Biotope erhalten bleiben und Schafhalter oder Landwirte für die Bewirtschaftung finanzielle Hilfen erhalten“, sagte NABU-Landesvorsitzender Johannes Enssle. „Dass es die Richtlinien in ihrer jetzigen Form noch gibt, ist auch dem enormen Einsatz der Naturschutzverbände zu verdanken.“ Im Rahmen der Kampagne „Nature Alert“ hatte der NABU mit seinen europäischen Partnern für die Bedeutung des europäischen Naturerbes und damit für den Erhalt der EU-Naturschutzrichtlinien geworben. Über eine halbe Million Menschen beteiligten sich daraufhin an der Aktion. „Der Prozess hat gezeigt, wie wichtig vielen Menschen der Schutz von Pflanzen, Tieren und deren Lebensräumen ist, über Landesgrenzen hinweg“, so Enssle. „Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat erkannt, dass das Natura 2000-Netz nur dann seine Wirkung für den Erhalt der Biodiversität entfalten kann, wenn ausreichend Geld und Personal da sind“, lobte Enssle.

Verstärkten Handlungsbedarf sieht Andreas Linsmeier, Landesvorsitzender der NaturFreunde, bei der Stärkung der Natura 2000-Gebiete vor Ort. „Leider wird der Schutz und die Entwicklung der Gebiete durch Akzeptanzprobleme erschwert“, so Linsmeier. Dies resultiert für den NaturFreunde-Chef aus zu geringem Wissen über die Bedeutung von Natura 2000. „Wir brauchen mehr Möglichkeiten für die Kommunikation, um das Interesse an den Schutzgebieten zu stärken und die Menschen mitzunehmen“, forderte Linsmeier. Wohin die Reise gehen kann, zeigte eine Wanderung der Naturschutz-Landesspitzen am Vormittag mit Alexander Just auf dem Natura-2000-Trail im Büsnauer Wiesental. Das preisgekrönte Konzept der NaturFreunde macht auf mehr als 100 Wanderwegen in Deutschland viele Naturschätze vor der Haustür besser erlebbar.

„Wer besonders geschützte Arten wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling erhalten will, muss auch ihre Lebensräume schützen“, ist der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes (LNV) Dr. Gerhard Bronner überzeugt. „Die Europäische Umwelt- und Naturschutzpolitik hat mit der Verabschiedung des Natura 2000-Netzes große Fortschritt in allen Mitgliedsstaaten angestoßen und eingefordert“, sagte Bronner. Defizite sieht er beim Bodenschutz, wo angesichts des anhaltenden Flächenverbrauchs und teilweise nicht angepasster Landwirtschaft dringender Veränderungsbedarf besteht: „Wir brauchen eine bessere Integration von Naturschutzaspekten in die europäische Landwirtschafts- und Infrastrukturpolitik.“

Große Lücken sieht die BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch bei der Integration der Landwirtschaft in den Naturschutz. „Die EU-Agrarpolitik muss in Zukunft so gestaltet werden, dass sie die Ziele der FFH-Richtlinie unterstützt, statt diese zu unterlaufen. Den schlechtesten Erhaltungszustand finden wir auch bei den FFH-Lebensraumtypen in der Agrarlandschaft, wie beispielsweise artenreichen Mähwiesen“, kritisiert Pilarsky-Grosch. Hier sei auch das Land gefragt, die Landwirtschaftsbetriebe besser zu unterstützen: „Die Gründung der Landschaftserhaltungsverbände war ein wichtiger Schritt. Jetzt muss das Land mutig weitermachen.“

Hintergrund: 

Die deutsche Bezeichnung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie lautet: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Natura 2000 ist eine wesentliche Säule des EU-Naturschutzes. Dieses Schutzgebietsnetzwerk setzt sich aus den EU-Vogelschutzgebieten und den Schutzgebieten nach der FFH-Richtlinie zusammen. Europaweit zählen über 27.000 Flächen – von der nordischen Tundra bis zu den Mittelmeerstränden – zu dem Schutzgebietsnetzwerk, das die EU-Mitgliedsstaaten gemäß den EU-Naturschutzrichtlinien aufbauen und unterhalten müssen.

Weitere Informationen zu Natura 2000 und den Managementplänen in BW: www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/44491/