TRAVERTIN – CANNSTATTER GOLD

25.01. 2018, 19:00 Uhr


Vortrag zum geplanten Recyclingpark

Drei Recyclingfirmen beantragen, auf dem Gelände des ehemaligen Travertin-Steinbruchs Lauster einen großen Recyclingbetrieb zu etablieren. Aus diesem Anlass veranstaltet die Naturfreunde Radgruppe Stuttgart einen Abend mit dem Thema Cannstatter Travertingeschichte – Kein Recyclingpark

Wenn Travertin als Cannstatter Gold bezeichnet wird, drückt dies sein ideellen wie auch materiellen Wert aus. Lang ist die Liste der Funde von Tieren, die von Travertin umschlossen wurden und somit der Nachwelt erhielten blieben. Vom Grasfrosch, vielen Fischarten, Schildkröten, Riesenhirsch, Steppenesel, Fellnashorn, Mammut, usw. Ebenso zahlreich sind die Funde von versteinerten Pflanzen und Steinwerkzeugen von Mammutjägern.
Zahlreich sind auch die Spuren, die der Travertin im Cannstatter Stadtbild und darüber hinaus hinterlassen hat. So der Daimlerturm im Kurpark, der Travertinkeller des Weingutes der Stadt Stuttgart, die Wohnanlage Nauheimer Straße und den Erbsenbrunnen in der Marktstraße. Wenn auch bei letzterem immer wieder das Gerücht kolportiert wird, dass für die Brunnenfigur Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker als Kind Modell gestanden haben soll. Was allerdings falsch ist, auch wenn man in Cannstatt dies nicht gerne hört. In Stuttgart sind der Mittnachtbau, sowie die neue Staatsgalerie zu erwähnen. Selbst ins Ausland schafft es der Cannstatter Travertin. So das Kaufhaus Petersdorf in Breslau (Arch. Mendelsohn) und die Banco popular argentina in Buenos Aires, Argentinien. Gerne bedienten sich auch die Nazis des Travertins, so für das Märzfeld in Nürnberg. Besonders hervorzuheben sind die 14 Travertinsäulen beim Steinbruch Lauster. Albert Speer wollte sie für den geplanten Mussoliniplatz, den heutigen Theodor-Heuss-Platz in Berlin. Da das 1000jährige Reich vorzeitig zu Ende ging, wurden sie zwar gefertigt, jedoch nicht mehr abgeholt. Grund genug, stolz auf diesen Schatz zu sein und ihn entsprechend zu würdigen? Fehlanzeige!!! Bereits 1984 war die Stadt Stuttgart nicht willens, das insolvente Werk Lauster zu kaufen. 1983 wurde der Steinbruch unter Denkmalschutz gestellt, 1987 die Gebäude, trotzdem wird es seit 1990 zur Müllsortierung genutzt. Der absolute Wahnsinn läuft jedoch zurzeit ab. Im Gelände des ehemaligen Travertin-Steinbruchs Lauster soll ein zentraler Recycling“park“ errichtet werden und das auch noch im Heilquellenschutzgebiet! Laut Genehmigungsantrag sollen jährlich bis zu 668 450 Tonnen Müll aller Art hier angeliefert werden, davon 55 950 t gefährliche Abfälle. Das sind 215 Tonnen gefährliche Stoffe pro Tag: Leuchtstoffröhren und andere quecksilberhaltige Stoffe; Geräte, die teil- und vollhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe enthalten; Bleibatterien; asbesthaltiges Material. Selbst wenn immer wieder beteuert wird, dies seien nur Maximal-Angaben. Aber einmal genehmigt, könnte sich der Betreiben oder ein Nachfolger auf die erteilte Genehmigung berufen. Ja, wir müssen den Müll, den unsere Gesellschaft produziert, aufarbeiten und sinnvoll wiederverwenden/entsorgen, aber nicht im Heilquellen-Schutzgebiet! Was passiert beispielsweise bei einem Brand? Das Löschwasser könnte durch den porösen Travertin ins Grundwasser/Mineralwasser gelangen. Sinnvoller wäre es, den Steinbruch Lauster in den bestehenden Travertinpark einzubeziehen. Da entstünde ein Kulturdenkmal 1. Ranges, ähnlich wie die Grube Messel bei Darmstadt. (Peter Pipiorke)

Vortrag zum Thema Cannstatter Travertingeschichte – Kein Recyclingpark –

Referent Peter Pipiorke

Im Verwaltungsgebäude Marktplatz 10 in Bad Cannstatt, Beginn 19 Uhr